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FOTO: IVO SAEGESSER

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EINE MUSIKALISCHE PERFORMANCE IN DOSEN // 2010

stutzen/stopfen/strecken

Alles wirkt seltsam fremd. Die Bemühungen, Schönheit zu erreichen, enden in grotesken Resultaten. Resultaten, von denen man sich irgendetwas erhofft. Was man sich erhofft, ist nicht mehr klar. Etwas Besseres, aber besser kann es gar nicht mehr werden – oder vielleicht war ja am Anfang schon alles gut?

Konzept: Bhend/Bolzli/Saegesser
Komposition/Klanginstallation: Marcel Saegesser
Text: Marina Bolzli
Stimme/Performance: Stefanie Grubenmann
Harfe/Performance: Vittoria Buzzi
Raum/Bild: Katharina Bhend
Dramaturgische Beratung: Kaspar Ewald
Künstlerische Beratung: Wendelin Schmidt-Ott

Aufführungen
Bern
Grand*Palais
Do 29. April 2010
Fr 30. April 2010

Zürich
Dock18/Rote Fabrik
Mi 12. Mai 2010
Fr 14. Mai 2010

Ein kleiner beengender Raum, fast ganz ausgefüllt durch eine Harfe und zwei Performerinnen. Das führt gleich von Beginn weg zu engem Kontakt mit dem Publikum und kreiert Intimität. Denn um zu den Sitzplätzen zu kommen, müssen die Zuschauer erst den ganzen Raum queren, durch den eine Diagonale aus grossen Konservendosen führt.

Die Konservendosen nehmen im Stück, das als Endlosschlaufe konzipiert ist, eine prägende Rolle ein. Sinnbildlich für das Ewig-haltbar-Machen und für das Unvergängliche konservieren sie Töne, in dem sie zu Lautsprechern umgebaut wurden, die pro Dose die immer gleichen Sätze wiederholen und dabei materialabhängig auch immer wieder scheppern. Auf diese Weise wird Materialität respektive Oberfläche und Äusserlichkeit zum Thema. Andere Dosen klingen wie Sirenen, indem ihre Eigenresonanz genutzt wird („Dosen-Monochorde“). Dieses Zusammenspiel wird erweitert und ergänzt mit der Stimme der Performerin Stefanie Grubenmann, den von der Harfenistin Vittoria Buzzi erzeugten Tönen und der computergenerierten Musik. Die Materialität wird in Klang umgesetzt, die Musikerinnen reagieren darauf.

Gegensätze also, sie dominieren stutzen/stopfen/strecken. Uns interessiert die Gratwanderung zwischen Natürlichkeit und Künstlichkeit, zwischen schön und unschön, kitschig und hässlich. Durch die besondere Synthese von Text, Klang, performativer Elemente und Licht ist uns diese Gratwanderung gelungen.

Der Komponist Marcel Saegesser hat „hässliche“ Stimm- und Harfenlaute zusammengefügt und so eine grotesk schöne Musik kreiert, die immer mal wieder das Hässliche zum Thema macht.

Die Performerin Stefanie Grubenmann hat sich dem Thema durch das Überzeichnen von Körperidealen genähert. Eine auf der Bühne stattfindende Brustvergrösserung durch Tüll (stopfen) führt vom Ideal ins Absurde. Mit einem Körper, der so üppig und dabei unförmig ist, dass er längst nicht mehr schön ist. Immer wieder sucht die Performerin den Kontakt zum Publikum, schaut den Leuten direkt in die Augen und schafft so Spannung.

Der Text von Marina Bolzli ist ein hochkünstliches Konstrukt, da sie nur mit Alliterationen gearbeitet hat. Das Thema umfasst dabei die Schönheit, die Künstlichkeit, und wie der Schönheitswahn zu grotesken Resultaten führt. Diese grotesken Resultate spiegeln sich wiederum im Text: Da er verstückelt über verschiedene Dosen gesprochen wird, werden Satzteile neu zusammengesetzt und ergeben einen anderen Sinn. Auch die beim Einlass abgegebene Postkarte, ein computergeneriertes Glossar mit allen im Stück vorkommenden Verben, nimmt dieses Thema auf.

Das Licht, konzipiert von Katharina Bhend, nimmt in stutzen/stopfen/strecken eine wichtige Rolle ein. Es erzeugt die Atmosphäre, schwankt zwischen absoluter Dunkelheit, fast schon gemütlicher Wohnzimmerstimmung und kaltem, abstossendem und blendendem Scheinwerferlicht.

An vier Abenden in Bern und Zürich haben wir je drei Schlaufen gespielt. Das Konzept hat sich als sehr geeignet für die engen Räume erwiesen, da die Zuschauer sich auf drei Schlaufen pro Abend verteilen konnten und wir trotzdem immer vor vollen bis übervollen Reihen spielen durften. Als sehr fruchtbar hat sich auch die intensive Zusammen-arbeit der verschiedenen Bereiche erwiesen, da man sich gegenseitig immer wieder weitergetrieben und hinterfragt hat. Nicht zuletzt haben uns auch die guten Rückmeldungen aus dem Publikum beflügelt. Im Folgenden eine kleine Auswahl.



un/schönes

stutzen